Psychiater, Psychologe, Psychotherapeut, Neurologe, Nervenarzt

Berufsbezeichnungen

Viele Begriffe - viel Verwirrung - unsere Begriffserklärungen

Psychiater

Ein Psychiater ist ein Facharzt, der Gesundheitsstörungen behandelt, die Seele und Geist eines Menschen betreffen. Grundlage der Berufsausbildung ist ein abgeschlossenes Studium der Humanmedizin und anschließende, insgesamt mindestens fünfjährige fachärztliche Ausbildung in einer Psychiatrischen Klinik. Eine Psychotherapieausbildung ist heutzutage Bestandteil der Facharztausbildung. Ein Psychiater ist also auch in der Regel sog. ärztlicher Psychotherapeut. Behandelt werden Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrene Psychosen, Zwangserkrankungen, Posttraumatische Belastungsstörungen, Angsterkrankungen, Alzheimererkrankungen und andere Demenzen u.v.m. Die wichtigsten Therapiemöglichkeiten des Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie sind das psychiatrische Gespräch, die medikamentöse Therapie, Psychotherapie sowie Entspannungsverfahren (Progressive Muskelrelaxation n. Jacobson, Autogenes Training).

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Psychologe

Als Psychologe bezeichnet man im deutschen Gesundheitswesen im allgemeinen psychologische Psychotherapeuten. Das Psychologiestudium ermöglicht jedem Diplom-Psychologen eine vielfältige Auswahl von Berufsfeldern (z.B. Verkehrspsychologie, Rechtspsychologie, Schulpsychologie, Medienpsychologie, Sportpsychologie u.v.m.). Eine Möglichkeit ist die Tätigkeit im Gesundheitswesen als psychologischer Psychotherapeut. Ein psychologischer Psychotherapeut hat ein Studium der Psychologie mit Diplom-Abschlußarbeit ("Dipl. Psych.") absolviert und macht dann eine Weiterbildung zum Psychotherapeuten an einem Psychotherapie-Ausbildungsinstitut. Psychologen haben in einigen Fällen einen Doktortitel, was zu Verwechslungen mit Ärzten führen kann. Ärzte tragen, sofern sie eine Doktorarbeit abgeschlossen haben, den Titel "Doktor der Medizin", also "Dr. med.", der Titel eines promovierten Psychologen heißt meistens "Dr. phil.". Die Kompetenzbereiche von Psychotherapeuten unterscheiden sich aufgrund der sehr unterschiedlichen Ausbildung naturgemäß stark von denen der Ärzte. Psychologen dürfen keine Rezepte für Medikamente ausstellen, da sie keine medizinisch-pharmakologische Ausbildung besitzen. Bei Fragen zu Medikamenten sollten Patienten daher ihren Arzt fragen. Die Beurteilung von Arbeitsunfähigkeit ist allein Ärzten vorbehalten. Kein Patient soll ohne vorherige ärztliche Untersuchung eine psychotherapeutische Behandlung beginnen. Daher müssen psychologische Psychotherapeuten vor der Bewilligung einer Psychotherapie für ihre Patienten einen sog. Konsiliarbericht durch einen Arzt erstellen lassen. Psychische Störungen können nämlich auch durch körperliche Gesundheitsstörungen verursacht sein, und die gilt es, vor einer Psychotherapie unbedingt auszuschließen. Bspw. kann eine Schilddrüsenunterfunktion zu einer Depression führen, eine Psychotherapie würde in diesem Fall aber nicht die Ursache beseitigen.

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Psychotherapeut

Die Bezeichnung Psychotherapeut ist in Deutschland seit dem 1. Januar 1999 durch das Psychotherapeutengesetz geschützt und darf nur von psychologischen Psychotherapeuten, Kinder-u. Jugendlichen-Psychotherapeuten sowie ärztlichen Psychotherapeuten geführt werden. Heilpraktiker (mit Erlaubnis zur Ausübung von Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz) dürfen die Berufsbezeichnung "Psychotherapeut" nicht führen. Die Kosten für Psychotherapie werden nur dann von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, wenn der Psychotherapeut eine Kassenzulassung hat und wenn ein Psychotherapieantrag bei der Krankenkasse zur Bewilligung eingereicht und dieser bewilligt wird. Verhaltenstherapie und Tiefenpsychologie bzw. Psychoanalyse sind die einzigen Psychotherapieverfahren, die in Deutschland über gesetzliche Krankenkassen abgerechnet werden können. Psychotherapeuten benötigen einen Überweisungsschein. Immer sollte ein zuweisender Arzt (am besten ein Psychiater) zuvor die Indikation für die Notwendigkeit und die Art der Psychotherapie stellen.

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Neurologe

Ein Neurologe ist ein Facharzt für die Behandlung körperlicher Erkrankungen des Nervensystems, z.B. Morbus Parkinson (Schüttellähmung), Multiple Sklerose, Hirninfarkt (Schlaganfall), Facialisparese (Gesichtslähmung), Epilepsien (Krampfanfälle), Alzheimererkrankung und andere Demenzen, Polyneuropathien (Nervenschädigungen z.B. bei Zuckerkrankheit oder chronischem Alkoholismus), Myasthenia gravis und Myopathien (neuromuskuläre Erkrankungen), Chorea Huntington und Systematrophien. Grundlage der Ausbildung ist ein abgeschlossenes Studium der Humanmedizin und anschließende, insgesamt mindestens fünfjährige fachärztliche Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie.

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Nervenarzt

Nervenarzt ist eine alte Facharztbezeichnung für Ärzte, die sich sowohl im psychiatrischen als auch im neurologischen Fachbereich weitergebildet haben. Ein Nervenarzt ist also Doppel-Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, wobei die Weiterbildungszeit in beiden Fächern seinerzeit auf je 3 Jahre festgelegt war. Die Möglichkeit, sich zum Nervenarzt weiterbilden zu lassen, existierte zuletzt nur noch als Übergangsregelung. Wenn man heute die Doppelfacharztbezeichnung anstrebt, so muß man erst den einen und dann den anderen Facharzttitel erwerben, was nach der gültigen Weiterbildungsordnung für Ärzte nun mindestens 10 Jahre in Anspruch nehmen würde, weshalb der Doppel-Facharzt nun eher ein Auslaufmodell ist.

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